Auftritts Tipps

von Carlos San Segundo (Universal Music Group) & Daniel Nilling (DgD.Records)

 

 

1. Was macht deine Band besonders?

 

Im Marketing nennt sich dieser Schritt „Positionierung“. Es gibt viele Bands. Sehr viele Bands.

Ein kurzer Blick auf Myspace dürfte jedem klar machen, dass der Wettbewerb um die wenigen Locations sehr hoch ist. Deswegen ist es umso wichtiger zu wissen, was deine Band besonders macht. Was deine Band anders als die anderen macht. Erst mit diesem Wissen bewaffnet, kannst Du potenzielle Auftraggeber für Gigs so ansprechen, dass sie ein Interesse entwickeln. Ein Vergleich mit anderen Bands,

die in deiner Gegend spielen hilft hierbei. Auch können dir Freunde, die deine Band live oder in einer Bandprobe gesehen haben, eine ehrliche Meinung geben.

 

 

2. Eine Demo-CD erstellen

 

Klar, das ist offensichtlich. Ist es? Ich habe schon Bands erlebt, die auf der Suche nach Gigs waren

und dennoch keine Demo-CD im Vorfeld produziert hatten. Dabei ist genau dieser Tonträger der einzig realistische Weg, um dem Geschäftsführer einer Location zu beweisen, dass deine Band den Laden rocken wird. Es geht aber noch einen Schritt weiter bei der Erstellung einer Demo-CD. Es reicht nicht einfach 10 Songs draufzuklatschen und sich dann zu wundern, dass sich nie jemand meldet. Sei anders mit deiner Demo-CD. Erstelle eine spezielle Version nur für die Akquise von Gigs. Mach ein Medley deiner besten Songs, die zeigen, was Du auf dem Kasten hast.

 

 

3. Beschrifte deine Demo-CD

 

Noch so ein offensichtlicher Tipp, nicht wahr? Und doch wärst Du erstaunt, wie viele Bands das Beschriften ihrer Demo-CDs schlichtweg vergessen oder nur unvollständig lassen. Locations und Booking Manager bekommen eine Menge Demo-CDs auf ihren Tisch. Wenn die dann nicht auf Anhieb herausfinden können, wer die vorliegende Musik aufgenommen hat, landet der Tonträger postwendend im Müll und es wird einfach die nächste Band gebucht. Deswegen: Bandname und alle Kontaktinformationen gehören auf die CD und das Cover. Und noch ein Tipp an dieser Stelle: Da der Interessent dich und deine Band ja nicht kennt, kann er schwer einschätzen, wie sich eine gemeinsame Zusammenarbeit gestalten wird. In wen, glaubst Du, wird er mehr Vertrauen setzen: In die Band, die eine gebrannte Demo-CD mit wackliger Edding-Schrift beschriftet hat oder in die mit dem professionell aussehendem Cover?

 

 

4. Erstelle ein professionelles Press-Kit

 

Im einfachsten Falle kann ein einzelnes Blatt Papier vollkommen ausreichen, wer sich etwas professioneller geben möchte darf auch ausführlicher werden. Die Printqualität wird in erster Linie von deinem vorhandenen Budget abhängen. Für den Inhalt darf das aber nicht gelten! Neben Bandnamen, Foto und Kontaktinformationen darf sich auch eine Bandbiographie mit Informationen über gespielten Musikstil,

Einflüsse und Erfahrung finden. Wie mich kürzlich ein Freund darauf hingewiesen hat, ist es auch von Vorteil eine Set-List mit eigenen Songs und Cover aufzuführen. Etwaige Berichte aus Presse und Medien sollten im Press-Kit auch aufgeführt sein. Hier noch ein Wort zu den Fotos: Je besser diese sind, desto besser deine Chancen.

 

 

5. Erstelle eine Liste mit potenziellen Locations

 

Je mehr potenzielle Locations Du findest und je länger die Liste wird, desto wahrscheinlicher, dass darunter sich eine Bar oder Kneipe findet, die dich buchen wird. Frage andere Bands und Musiker, wo sie schon überall aufgetreten sind, schaue in die Lokalmagazine, Zeitungen und natürloch ins Internet, um weitere Locations zu finden. Wichtig ist, dass Du diese Liste kontinuierlich weiterführst und ständig um weitere Einträge erweiterst. In deiner Liste sollte neben dem Namen der Location noch der Name des Besitzers oder Verantwortlichen für die Buchungen sowie die Telefonnummer stehen. Hier sind noch einige Anregungen für Locations, die Du in diese Liste aufnehmen kannst: Bars, Irish Pubs, Clubs & Diskotheken, Cafés, Messen, Schulveranstaltungen, Festivals.

 

 

6. Mut

 

Viele Musiker haben Angst, sich zu verkaufen, denn die Kommerzialität will nicht so recht in ihr Weltbild passen. Potenzielle Interessenten anzurufen und auf etwaige Gigs anzusprechen erscheint vielen wie der Verkauf von Versicherungen an der Haustür. Aber auch das Musikbusiness ist in erster Linie ein Geschäft und die Musik nur ein Produkt. Wer gebucht werden möchte, der ist gut beraten, sich den Geschäftsinhabern von potenziellen Locations zu präsentieren und damit bekannt zu machen. Wer im Proberaum sitzen bleibt und darauf wartet als der neue Act schlechthin entdeckt zu werden, wartet vergeblich.

 

 

7. Dieselben Ziele verfolgen

 

Solokünstler können sich diesen Absatz getrost sparen und gleich mit dem nächsten weitermachen. Für Bands hingegen ist dieser Absatz enorm wichtig: Bands sollten schon im Vorfeld ihre gemeinsamen Träume und Ziele klären und am besten schriftlich festlegen. Es ist wie mit den Erdbeeren: Eine einzige faule Erdbeere kann die gesamte Ernte zerstören. Wenn ein einziges Bandmitglied kein oder weniger Interesse am durchschlagenden Erfolg der Band hat, eine andere Vorstellung vom Musikerdasein entwickelt (Hobby vs. Pro) oder etwa nicht einverstanden mit der Probenhäufigkeit ist, gehen die Probleme los. Plötzlich kommen Ausreden für das Nichterscheinen zur Bandprobe oder einer lässt den Gig aus heiterem Himmel platzen. In der Folge müssen Bands den ein oder anderen Gig absagen und zerstört damit ihre Reputation.

 

 

8. Ruf an!

 

Jetzt beginnt die eigentliche Arbeit. Rufe jede Woche neue Locations an, um nach Gigs zu fragen. Lass dich vom ein oder anderen

„Nein.“ nicht aus der Ruhe bringen. Es kann 1.000 verschiedene Gründe dafür geben: Dein Gegenüber hat einen schlechten Tag, die Location ist bis in drei Monaten ausgebucht, die Musik deiner Band passt nicht in das aktuelle Programm, oder…

Keiner meint ein „Nein.“ persönlich, es geht immer nur um das Geschäft. Im Gespräch solltest Du dich darauf konzentrieren, was Du und deine Band für die jeweilige Location bieten könnt. Und sei hartnäckig! Studien haben herausgefunden, dass es im Verkauf (und um einen solchen handelt es sich bei diesen Anrufen) bis zu sieben Kontakten benötigt bevor ein Abschluss (ein Gig) getätigt wird.

 

 

9. Bring die Unterlagen persönlich vorbei

 

Für Bewerbungen bei Locations ausserhalb deiner Stadt ist das natürlich nicht ohne Weiteres möglich. Aber zumindest in deiner eigenen Stadt solltest Du die Unterlagen wie Demo-CD und Press-Kit persönlich vorbeibringen. Dazu ist etwas Vorarbeit nötig, denn Du musst zunächst herausfinden, wer der Verantwortliche für die jeweilige Location ist und wie seine Telefonnummer lautet. Dann rufst Du ihn an und fragst nach fünf Minuten seiner Zeit, um dich und deine Band vorzustellen. Der persönliche Kontakt kann die Entscheidung zugunsten deiner Band beeinflussen und gibt dir vielleicht die Nasenlänge Vorsprung vor den anderen Bands.

 

 

10. Networking, Networking, Networking!

 

Es kommt nicht darauf an, was Du kannst, sondern wen Du kennst. Auf kaum eine Branche trifft das so gut zu wie auf das Musikbusiness.

Je mehr Menschen und Musiker Du kennst, je mehr Kontakte zu Bands, Booking-Agenturen, Bars, Kneipen, Konzertveranstalter etc. Du pflegst, desto höher die Wahrscheinlichkeit mehr Gigs für deine Band zu bekommen. Aber kennen alleine hilft noch nicht. Es ist wichtig, dass diese Leute alle wissen, dass deine Band nach Gigs sucht. Diese Leute werden dich zu gegebener Zeit weiterempfehlen oder dir eine Möglichkeit anbieten, ein Konzert zu spielen. Immer vorausgesetzt, dass Du und deine Band sympathisch rüber kommt und gute Musik spielt.

 

 

11. Mach Werbung für dich!

 

Wie oft bist Du schon in eine Kneipe gekommen, hast eine gute Band gehört und wusstest nicht, wer da gerade spielt? Mach es den Leuten einfach, dich zu kennen. Häng Plakate mit dem Bandnamen und der Telefonnummer auf. Verteile Flyer mit den Kontaktdaten und den nächsten Konzerten. Und: Immer mal wieder den Bandnamen durch das Mikrofon durchgeben! Das hilft nicht nur, um potenzielle Gigs aufzutun, es hilft zudem auch noch für die Fangewinnung und kostet nur wenig Aufwand, wenig Überwindung und wenig Geld bei der Umsetzung. Und wenn wir schon bei der Werbung sind, dann noch einen Tipp hinterher. Mach auch Werbung im Vorfeld für diesen Auftritt.

Verlass dich nicht allein auf die Werbung, die die Location macht. Erstelle eigene Flyer und sorge für ein volles Haus. Das macht nicht nur mehr Spass beim Spielen, das hilft auch dabei erneut von der Location gebucht zu werden. Und damit sind wir auch schon beim nächsten Punkt.

 

 

12. Frag nochmals nach

 

Wenn Du eine gute Show geliefert hast und die Stimmung gerade während deines Auftritts auf dem Höhepunkt war, dann ist das der beste Zeitpunkt, um nach einer erneuten Buchung zu fragen.

 

 

13. Organisier dein eigenes Konzert

 

Wenn es denn mal gar nicht laufen sollte, dann buch dich doch selbst und organisiere dein eigenes Konzert. Lade hierzu auch andere Bands zum spielen ein. Diese werden gerne zusagen (denn alle Bands suchen immer nach neuen Gigs) und bringen ihre Fans zum Konzert mit. Ihr alle spielt dann vor einer ansehnlichen Menge von Leuten und könnt euch weiter profilieren.

 

 

14. Am Anfang jeden Gig spielen

 

Ich habe im Laufe der letzten 20 Jahre tatsächlich eine Menge Bands gesprochen, die sich einerseits beklagen, keine Gigs zu bekommen,

andererseits alle Angebote ausgeschlagen haben. Es gibt keine zu kleinen Gigs für Bands, die noch am Anfang ihrer Karriere stehen.

Wenn das Angebot besagt, Dienstag abends um 22 Uhr eine winzige Kneipe zu bespielen, dann mach es! Wenn Du deinen Job gut machst

und der Inhaber mehr Umsatz macht als sonst an einem Dienstag wird er dich buchen. Und wenn Du oft genug spielst, dann werden dich früher oder später auch die anderen Bars, Kneipen und Booking-Agenturen wahrnehmen und buchen!

 

 

15. Geh auf Konzerte

 

Eigentlich solltest Du dir schon aus Eigeninteresse und zu Entertainmentzwecken die Auftritte anderer Bands ansehen. Zumindest hast Du aber auf diesen Konzerten eine hervorragende Möglichkeit, andere Musiker kennen zu lernen und dich auszutauschen. Du kannst von den Besseren lernen und siehst, was gut beim Publikum ankommt. Gleichzeitig lernst Du neue Locations und deren Belegschaft kennen und zahlst damit auf dein Sympathiekonto beim Networking ein.