Die Funkloch-Band, inklusive Daniel Gallimore (Foto) an den Drums, ist auf der Bühne - das bedeutet: Der Abend kann beginnen.

 

Foto: Rothe (RNZ)

Eine Bühne für alle in der Halle 02

Von Paul Weßling (RNZ)

 

Einmal im Monat lädt die Heidelberger Halle 02 zur "Funkloch"-Jamsession in die Bahnstadt ein - Treffpunkt für Musiker

 

 

Heidelberg. Jung oder alt, professionell oder Anfänger, Blues oder Rock: Schon seit zwei Jahren bekommt hier jeder die Möglichkeit, sich musikalisch auszuleben. Einmal im Monat, immer am zweiten Mittwoch, lädt die Halle 02 zur "Funkloch"-Jamsession in die Bahnstadt ein. Daniel Gallimore, Mitgründer der Veranstaltungsreihe und außerdem Drummer in der "Funkloch"-Band, die bei jeder Jamsession eine Einstimmung spielt, berichtet: "Bevor es die Jamsessions in der Halle gab, dachte ich, mir wäre die Heidelberger Musiker-Szene bekannt. Dann wurde mir erst klar, wie viele ich nicht kannte."

 

Das Konzept der Jamsession ist einfach: Erst spielt die Band "Funkloch", später darf jeder, der Lust hat, ein Los ziehen. Dieses entscheidet schließlich, wer im Laufe des Abends zusammen auf der Bühne steht. Das ermöglicht unterschiedliche, zufällig zusammengewürfelte Konstellationen, anders als bei normalen Sessions. In der vergangenen Woche war die Jamsession auch Teil des Festivals "Enjoy Jazz". Und dabei war ein besonderer Gast eingeladen: Julian Maier-Hauff spielte schon vor einiger Zeit gemeinsam mit der Band "Irie Revoltés" in Heidelberg. Jetzt leitete er die Jamsession mit der "Funkloch"-Band ein. Maier-Hauffs Musik ist eine Mischung aus elektronischen Beats mit live gespielter Blasmusik. Und sie ist vor allem eines: Jedes Mal einzigartig.

 

Ein Lieblingsgenre hat Maier-Hauff nicht, wie er gegenüber der RNZ erklärt: "Das ist wie mit Hosen, jeden Tag passt dir eine andere besser. Wichtig ist die Band. Denn egal, welche Musik: Je freier man spielen kann, desto authentischer ist die Musik." Und genau diese Freiheit symbolisiert das Konzept der Veranstaltung. Die Zuschauer in der vergangenen Woche wurden Zeugen einer interessanten Mischung aus Jazz und Maier-Hauffs Elektronik-Mix. Im Anschluss begann schließlich die Jamsession. Die Stimmung war gelassen und vergnügt, während die Zuschauer zusahen, wie sich im Laufe des Abends die Musiker auf der Bühne abwechselten und sich der Stil der Musik konstant veränderte.

 

Die ursprüngliche Idee, die Musiker dabei zufällig auszulosen, sei von einem seiner Freunde gekommen, der ebenfalls Teilnehmer einiger gemeinsamer Musiksessions war, erzählt Gallimore. Ihm sei sofort klar gewesen, dass dies ein geniales und einzigartiges Konzept sei, um die musikalische und persönliche Vernetzung von vielen verschiedenen Musikern der Region zu ermöglichen. Gallimore sagt: "Die ersten Reaktionen waren gemischt, aber wir probierten das Konzept aus - und die Leute kamen." Und das nicht nur aus Heidelberg: Mittlerweile besuchen die Jamsessions regelmäßig Musiker und Musikliebhaber aus der ganzen Region. So auch "Laprisma", selbst Künstler aus Ludwigshafen. Er sagt: "Das Konzept ist einmalig."

 

Gallimore verfolgt mit der Veranstaltungsreihe ein festes Ziel: Die Musikszene, die sich, wie er sagt, "hauptsächlich im Heidelberger Untergrund abspielt", auf eine gemeinsame Bühne zu bringen. Die Halle 02 bietet dafür in der Bahnstadt die professionelle Infrastruktur. Gallimore ist dankbar dafür - zumal es in der Stadt immer weniger Spielstätten gebe, die es Musikern ermöglichten, gemeinsam zu spielen. Besonders schwer machten es Heidelberger Künstlern Beschwerden wegen Ruhestörung, daher bleibe auch Live-Musik in der Gastronomie oft aus, wie Gallimore meint. Viele Musiker blieben deshalb unter sich, jammten - und die Vernetzung bleibe aus.

 

Durch die "Funkloch"-Jamsession hat sich das bereits geändert. Und Daniel Gallimore ist zuversichtlich: "Gefühlt befindet sich die Halle noch am Stadtrand, bald könnte die Bahnstadt aber zum neuen Stadtkern werden - und wir hoffen, dass es dann unsere Jamsession dann immer noch hier gibt."

 

Info: Die nächste Jamsession findet am Mittwoch, 8. November, 20 Uhr, in der Halle 02, Zollhofgarten 2, statt.

Kreativraum: Daniel Nilling (links) und Robert Meyer in ihrem kleinen Studio im Mehrfamilienhaus an der Straße Auf dem Wischkamp.

 

Bild: Reiner Kramer (NWZ)

 

MUSIK Hip-Hop-Beats frisch aus der Presse

Reiner Kramer (NWZ)

 

Drei Künstler sind unter Vertrag beim Friesoyther Label. Das hat sich deutschsprachigem Hip-Hop verschrieben.

 

FRIESOYTHE „Das goldene D.“ versteckt sich hinter der Fassade eines Mehrfamilienhauses in Friesoythe, Auf dem Wischkamp. Im Wohnzimmer bei Tee und Kuchen berichten Daniel Nilling und Robert Meyer über die Entstehung ihres Independent-Labels, das sich auf deutschsprachigen Hip-Hop spezialisiert hat.

 

Daniel Nilling gründete das Label „Das goldene D. Records“ 2001. „Ich habe häufiger für andere CDs gebrannt“, berichtet der Friesoyther. Warum nicht mal den eigenen Sprechgesang aufnehmen? Für 2,50 D-Mark ein Mikrofon gekauft und los ging’s. „Alles noch sehr laienhaft und improvisiert“, berichtet Nilling. Freunde kamen hinzu, versuchten sich am Mikrofon.

 

Nicht alles, was herauskam, stieß auf offene Ohren. Die meisten der Produktionen aus den Anfangsjahren stünden heute auf dem Index, berichtet Nilling. Viel Bewegung gab es in der Label-Historie. Rapper mit Namen wie Overkill, Big-P und SoNiC gehörten zum Label, einige verließen das Label wieder, SoNiC alias Robert Meyer blieb. Er wie „Professor FreiZeit“ alias Henning Tollkühn und auch Nilling selbst als „Das-D“ sind als Künstler die tragenden Säulen des Labels. Der „Professor“ zeichnete auch für einen Top-Ten-Erfolg in den Internet-Album-Charts mit dem Album „mal eben so“ verantwortlich.

 

Frisch aus der Presse ist der erste Sampler des Labels: „Das-D & Freunde. Irgendwo im Nirgendwo“. Die Beats seien von befreundeten Musikern aus der Region eingespielt worden oder selbst gemacht, berichten die Musiker.

 

Vom neuen Album erhoffen sich die Friesoyther neuen Schub. „Wir haben viele Fans in Kalifornien“, berichtet Nilling, deutlich mehr als in Deutschland sogar. Das jedenfalls zeigt die Auswertung der Webseiten-Nutzung.

 

Die CDs werden mittlerweile nicht mehr selbst gebrannt. „Das übernimmt ein Presswerk.“ Die Auflagen sind noch gering. Die Cover der CDs türmen sich auf dem Wohnzimmertisch. Fanartikel wie T-Shirts oder Pullover stehen im Flur. Die sollen auch auf den Festivals im kommenden Jahr verkauft werden. Zahlreiche Auftritte sind geplant, Deutschland, Österreich, Rumänien – wo genau gespielt wird, steht noch nicht fest. Nur, dass einige richtig große Festivals darunter sein werden.

 

Geld machen? Sei nicht das Hauptanliegen, sagen Daniel Nilling und Robert Meyer. „Uns geht es darum, unser Label mit den Einnahmen zu finanzieren und größer zu machen“, sagt Nilling. „Wir bleiben Hobbykünstler“, so Nilling. Er lädt Nachwuchskünstler ein, sich am Mikrofon auszuprobieren (E-Mail an kontakt@dgd-records.de).

 

„Wir machen Musik, die uns gefällt“, sagt Meyer. Und das soll so bleiben in der Wohnung Auf dem Wischkamp.

 

 

 

Reiner Kramer

stv. Redaktionsleitung Friesoythe

Redaktion Münsterland

Tel: 04491 9988 2901